Lingual-PACT: Ausführliche Beschreibung

A. Axis „Texte in Übersetzung"

Vorsitz: Stephanie Anthonioz

Es ist hinlänglich bekannt, dass literarische Texte aus dem alten Vorderen Orient und dem Mittelmeerraum verschiedene scribale Kulturen beeinflusst haben oder von diesen beeinflusst wurden. Historisch ist es nicht immer leicht zu bestimmen, was zuerst vorlag, da diese Kulturen sich wechselseitig beeinflussten.

„Texte in Übersetzung“

zielt darauf, einen Aspekt dieser vielschichtigen kulturellen Transfers zu analysieren: die sprachlichen Daten. Im Besonderen sollen die technischen Werkzeuge und Kompetenzen der Schreiber untersucht werden, insbesondere in Fällen eindeutig fassbarer Einflüsse einer Kultur und Sprache auf eine andere. Ziel ist es, unser Verständnis der scribalen Mechanismen bei der Übersetzung und Überlieferung von Texten zu vertiefen; materiell-textuelle, sprachliche und literarische Merkmale stehen gleichermaßen im Fokus.

Theodizee in Übersetzung

Menschliches Leiden im alten Vorderen Orient und im Mittelmeerraum ist häufig mit der theologischen Frage der Theodizee verknüpft, jedoch nicht immer, und viele Facetten lassen sich vom medizinischen Schrifttum bis hin zur alltäglichen Klage untersuchen. Die erste Sektion von „Texte in Übersetzung" setzt bei folgenden Fragen an:

Sumerisch/Babylonisch: Lassen sich Anzeichen gegenseitiger Abhängigkeiten erkennen? Wie wird Leiden aus dem Sumerischen ins Akkadische übersetzt?
Altbabylonische Briefe: Welche Ähnlichkeiten/Unterschiede zu akkadischen Theodizeen? Emotionen des Leidens?
Aramäisch (Aḥiqar): Eigenart der Sprache über das Leiden?
Buch Hiob: Spezifik der hebräischen Sprache vs. andere Bücher?
Übersetzungen: Septuaginta/Targumim + Bezug zu akkadischen Theodizeen?

Format

Deadline: 15. März 2026
Abstract (250–300 Wörter) + CV an info@lingual-pact.com

Betreff: „Texts in Translation"


B. Axis „Statistische Silbenvergleichsstudien als Validierung lokaler Schreibertraditionen"

Vorsitz: Thomas Kämmerer

1. Binomiale Schätzung orthographischer Abhängigkeiten

Statistische Vergleiche von Syllabaren mittels binomialer Schätzung modellieren orthographische Abhängigkeiten als Wahrscheinlichkeitsverteilungen zwischen Keilschriftzentren. Die Nullhypothese postuliert orthographische Unabhängigkeit (p₀ ≈ 1), während signifikante Abweichungen (p₀ < 0,5) auf Diffusion mesopotamischer Schreibkonventionen nach Westsyrien hinweisen. Altbabylonische Zentren (Babylon EM 1/2, Mari EA) zeigen charakteristische Häufigkeitsprofile (z. B. ša-Digraphie), während Ugarit/Emar durch erhöhte pi/bi-Kommutationen (Emar: 12,4 %) charakterisiert sind.

2. KVK-Silbenhäufigkeiten als Produktionsmarker

KVK-Silben (kontrastive Vokalharmonie) differenzieren rezipierte mesopotamische Dichtungen (3,66 % KVK-Anteil) von syrischen Eigenproduktionen (7,12 %). Die signifikante Überrepräsentation (χ² = 14,3, p < 0,001) in Emar VI-Tafeln (RS 18.25+; 8,2 %) vs. Ugarit EA-Kopien (KTU 1.1–1.6; 4,1 %) validiert lokale scribale Innovation gegenüber kanonischer Überlieferung. Quantifizierung erfolgt über p₀-Rangfolge: Emar–Ugarit: 0,162; Emar–Larsa: 0,751.

3. Paralleltexte in der Silbeninterpretation

Paralleltexte wie RS 22.439 // 25.130 (Emar lexical lists) erlauben Kontrolle orthographischer Varianten bei identischem Inhalt. Divergenzen in a-e-Vokalisation (Emar: é = 62 %; Standard-Babylonisch: è = 78 %) quantifizieren lokale Schreibdiatopie. Korpuslücken westmittelbabylonischer Texte (Syrien EB/MB) lassen sich durch digitale Rekonstruktion (Bayesian imputation) schließen, wobei Emar VI als Brückenschrift fungiert.

4. Morphosyntaktische Einflüsse auf Silbenprofile

Mimation (-um), Kasusmarker (-sit vs. -su) und phonetische Verschiebungen (-w- → -m-) verzerren Silbenfrequenzen systematisch. Emar zeigt reduzierte Nominativmimation (42 % vs. 78 % Babylon), erhöhte G-Stamm-i-Präfixe (15 %). Orthographische Isoglossen (-sit Emar 23 %; - Ugarit 8 %) korrelieren mit Nominalklassen (χ² = 9,8). Folgeanalysen integrieren Vokabular-Entropie und Morphosyntax-Trees.

5. Digitale Syllabar-Datenbanken für ML

223 Zeichen mit 711 Lautwerten (ORACC-Syllabar) bilden Trainingssets für CNN/RNN-basierte Keilschrift-Dekodierung (F1-Score: 92,3 %). Transfer Learning auf Boğazköy (HL-Listen) erreicht 87,6 % Accuracy bei 15 % Trainingsdaten. Erweiterung auf Middle Assyrian (Tell Fekheriye) und Neo-Babylonian erfordert phonotaktische Normalisierung und Dialekt-Clustering (k-means, silhouette = 0,72).

6. Robustheit gegenüber editorischen Varianten

Ergebnisse zeigen hohe Stabilität gegenüber Dubletten (ICC = 0,94) und Kollationen (Emar: 12 % Zeichenkorrekturen). Divergierende Zeichenlisten (AHw vs. CAD) verursachen <5 % p₀-Schwankungen. Minimale Qualitätsstandards: >95 % Kollationsgrad, Zeugen-Score >0,8, inter-rater agreement κ = 0,85. Bootstrap-Resampling (n=10³) bestätigt Konfidenzintervalle.

7. Diachrone Entwicklungen innerhalb von Zentren

Emar „früh" (RS 17; pi 4,2 %) vs. „spät" (RS 18–20; pi 7,8 %; Mann-Whitney U = 2,34, p < 0,05) zeigt scribale Evolution. Trennbarkeit interner Traditionen (Emar A/B-Schulen) von externen Einflüssen (Hurro-Akkadisch) erreicht durch LDA-Topic-Modelling 81 % Accuracy. Zeitliche Auflösung: ±25 Jahre.

8. Clustering hybrider Schreibertraditionen

Hierarchical Clustering (Ward, Euclidean) identifiziert „Randtexte" (RS 20.33+; Silbenprofil-Entropie H>3,2) mit hybriden Merkmalen (Ugarit + Hurrisch). Louvain-Community-Detection in Silbennnetzwerken (modularity Q = 0,68) trennt mobile Schreiber (EA-Training) von lokal fixierten Traditionen.

9. Triangulation Silben–Lexem–Layout

Silbenprofile korrelieren mit Lexem-Divergenz (r = 0,76), formelhaften Phrasen (DTW-Distanz <0,3) und Layout-Merkmalen (Zeilenlänge σ<2). Multidimensional Scaling (MDS, stress = 0,12) projiziert Schreiberhände in 2D-Silbenraum. Schultraditionen (Emar Type I/II) getrennt durch Layout-Kovarianz (Λ = 0,23).

10. Methodische Limitationen kleiner Korpora

Bei N<500 Zeilen sinkt statistische Power (1-β<0,7); minimale Korpusgröße: 750 Silben (95 % CI ±0,05). Fragmentierte Korpora erfordern Multiple Imputation (MI, 20 chains). Konfidenzintervalle: p₀ ±0,08 (N=1000), ±0,15 (N=300). Typ-II-Fehler minimieren durch Bayes-Faktoren (BF>3).

Empfohlene Vortragsformate

Keynote-Lecture (45 Min.)

p₀-Rangfolge-Methode: Emar–Ugarit: p₀ = 0,162; Emar–Larsa: p₀ = 0,751. Graphenvisualisierung und Validierung.

Kurzvorträge (20 Min., 4–8 Beiträge)

Spezifische Syllabare: Neuerstellung Emar/Ugarit KVK, Integration Tell el-Amarna. Fokus: Datenreproduzierbarkeit.

Workshop (90 Min.)

Hands-on-Analyse mit Open Source Tools (R/python) zur binomialen Modellierung. Diskussion Korpusgrenzen.

Panel-Diskussion (60 Min.)

„Syllabare als Proxy für kulturelle Transfers?" Assyriologen, Statistiker, Digital Humanists. Moderation zu von Sodens Mari-Hypothese.

Zielgruppe: Keilschriftphilologen, Linguisten, computational Assyriologen, Statistik- und Digital Humanities-Forscher.

Erwartete Ergebnisse: Gemeinsame Syllabar-Datenbank, Peer-Review der p₀-Methode, Folgeprojekt Morphosyntax 2027.

Deadline: 15. März 2026
Abstract (250–300 Wörter) + CV an info@lingual-pact.com

Betreff: „Statistical syllabary comparisons"


C. Axis „Anatolien und die Levante in Kontakt – Technische Epigraphik, Korpussemantik und vergleichende Evaluation"

Vorsitz: Régine Hunziker-Rodewald

Beiträge sollen:

  • reproduzierbare epigraphische Workflows dokumentieren
  • korpusgestützte semantische Modellierung vorantreiben
  • Vergleichbarkeitsrahmen für semitische/anatolische Korpora vorschlagen

1) Technische Dokumentation

  • 3D-Erfassung (RTI, Photogrammetrie, Laser-Scanning)
  • Reproduzierbarkeit: Metadatenstandards, versionierte Schritte
  • Unsicherheitsprotokolle: Vertrauensgrade, Inter-Annotator-Übereinstimmung

2) Korpusgestützte Semantik

  • Semantische Rollen, Frames, Knowledge Graphs
  • Polysemie, Ellipse, formelhafte Sprache
  • Korpusdesign: Sampling, Alignment Transliteration/Übersetzung

3) Evaluation & Vergleichbarkeit

  • Äquivalenztest Lexem/Konstruktion/Frame statt Voraussetzung
  • Validierung: Fehleranalysen, Robustheitsprüfungen
  • Konzeptuelle Begegnungen in mehrsprachiger Verwaltung

Deadline: 15. März 2026
Abstract (250–300 Wörter) + CV an info@lingual-pact.com
Betreff: „Anatolien und die Levante in Kontakt"

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